Marihn als erste Stadt Ostdeutschlands als Cittaslow ausgezeichnet
Am Ende der eichenbestandenen Allee, vorbei an Getreide-, Kartoffel- und Maisfeldern, steht das Ortsschild von Marihn. 267 Einwohner hat die Gemeinde. Sie liegt im Landkreis Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Als erste Stadt Ostdeutschlands wurde sie am 8. Dezember mit dem Prädikat „cittaslow – lebenswerte Stadt“ ausgezeichnet.
Die Kommune wurde „für ihr gesundes, lebensfreundliches und regionaltypisches Lebensumfeld geehrt“, teilte ein Sprecher des Umweltministeriums in Schwerin mit. Die internationale Jury war sich einig, dass mit der Wiederbelebung der dörflichen Gutsstruktur, nachhaltigen Maßnahmen im Umweltschutz und bei der Infrastruktur die regionale Lebensqualität gefördert wird. Aus einer alten Scheune wurde ein Gemeinschaftshaus für Jung und Alt gebaut. Daneben entsteht ein Schulgarten mit einem Seminar- und Küchenraum. Horst Forytta und seine Frau Sonja haben das Schloss Marihn gekauft und renoviert. Der 30 Hektar große Garten steht den Einwohnern seit Juni dieses Jahres wieder als Parkanlage zur Verfügung.
Die Citta-Slow-, oder auch Slow-City-Bewegung wurde 1999 in Italien gegründet. Der internationale Verbund von Städten hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Städte und Regionen lebenswerter zu gestalten. Sie möchte regionale Produkte aufwerten und individuelle Stärken hervorheben. Ausgezeichnet werden Städte bis zu einer Einwohnerzahl von 50000 Einwohnern. Eine Slow City versucht Ortsstrukturen aus dem Mittelalter oder der Renaissance zu erhalten und gleichzeitig moderne wissenschaftliche Erkenntnisse der Ökologie und Nachhaltigkeitsforschung einzubeziehen. Sie setzt auf nachhaltige Umweltpolitik, Gastfreundschaft und regionale Märkte sowie regionaltypische Produkte.
Slow-City sieht sich als Gegenbewegung zum Trend der Globalisierung. Diese Gegenbewegung begann bereits in den neunziger Jahren mit der Slow Food Bewegung. Eine Vereinigung, die die Kultur des Essens und Trinkens pflegen und lebendig halten will.