Columnata’s Weblog

Januar 12, 2008

Autofrei – aber nur ein bisschen

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Stell Dir vor, es ist autofreier Sonntag und keiner macht mit

Gestern war autofreier Sonntag in Hamburg. Das erste Mal und freiwillig. Und ich stand im Stau! Ich hatte gute Gründe im Auto zu sitzen. Als Journalistin sollte ich die Nation über dieses denkwürdige Ereignis informieren. Aber um 11 Uhr ging es schon los. Um rechtzeitig vor Ort am Jungfernstieg zu sein, hätte ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln schon um 9:30 Uhr aus dem Haus gemusst.

Ein Sonntag wie gesagt. Na ja, und dann das Wetter. Dauerregen. Grau in Grau. Meine weiße Hose hätte sich da farblich ganz schnell angepasst. Und dann das! Stau! Wo kommen denn all die anderen her? 11 Uhr schaffe ich wohl doch nicht. Auf der Aktionsmeile am Jungfernstieg war leider nur noch eine Fahrbahn frei, die andere war für Skater reserviert. Da staute sich nichts, weil keiner bei diesem Wetter skatet. Überhaupt waren wohl mehr Autos als Fußgänger auf den Straßen. Sie schlichen mit Goretex und Gummistiefeln bewaffnet um die Infostände von ADAC, HVV, E.ON und Vattenfall, die sich hier ein grünes Image verpassten. Eine Handvoll Regenschirme tummelte sich vor der Musikbühne. Einen Parkplatz konnte ich nicht finden.Ich bin für eine autofreie City. Mal ehrlich! Wo kommen wir denn da hin, wenn man am Ort des Geschehens noch nicht mal einen Parkplatz findet? Wird man ja doch nass, wenn man so weit laufen muss.

Autofrei, aber bitte nur ein bisschen. Hanseatisch sehr zurückhaltend gibt sich der Hamburger bei dieser Mitmachaktion. Da war es doch leichter im Dezember fürs Klima fünf Minuten im Dunkeln zu sitzen. Da wurde man wenigstens nicht nass. Aber wer hat die ganzen Infostände und die Bühne in die City gekarrt? Der Fahrradkurier? Und wie steht es sonst mit der Klimabilanz in Hamburg? Der Hafen spuckt mit seinen Ozeanriesen täglich ein Vielfaches der harmlosen PKW an klimaschädlichen Gasen aus. Da schadet es eigentlich auch nichts, wenn der SPD-Bürgermeister- Kandidat Michael Neumann am autofreien Sonntag mit dem PKW zum Neujahrsempfang seiner Partei fährt. Er hatte sicherlich gute Gründe. Genau wie ich.

Januar 2, 2008

„Wer langsam geht, kommt auch zum Ziel.“ – eine neue Städtebewegung

Gespeichert unter: Nicht kategorisiert — columnata @ 4:20
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Marihn als erste Stadt Ostdeutschlands als Cittaslow ausgezeichnet

Am Ende der eichenbestandenen Allee, vorbei an Getreide-, Kartoffel- und Maisfeldern, steht das Ortsschild von Marihn. 267 Einwohner hat die Gemeinde. Sie liegt im Landkreis Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Als erste Stadt Ostdeutschlands wurde sie am 8. Dezember mit dem Prädikat „cittaslow – lebenswerte Stadt“ ausgezeichnet.

Die Kommune wurde „für ihr gesundes, lebensfreundliches und regionaltypisches Lebensumfeld geehrt“, teilte ein Sprecher des Umweltministeriums in Schwerin mit. Die internationale Jury war sich einig, dass mit der Wiederbelebung der dörflichen Gutsstruktur, nachhaltigen Maßnahmen im Umweltschutz und bei der Infrastruktur die regionale Lebensqualität gefördert wird. Aus einer alten Scheune wurde ein Gemeinschaftshaus für Jung und Alt gebaut. Daneben entsteht ein Schulgarten mit einem Seminar- und Küchenraum. Horst Forytta und seine Frau Sonja haben das Schloss Marihn gekauft und renoviert. Der 30 Hektar große Garten steht den Einwohnern seit Juni dieses Jahres wieder als Parkanlage zur Verfügung.

Die Citta-Slow-, oder auch Slow-City-Bewegung wurde 1999 in Italien gegründet. Der internationale Verbund von Städten hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Städte und Regionen lebenswerter zu gestalten. Sie möchte regionale Produkte aufwerten und individuelle Stärken hervorheben. Ausgezeichnet werden Städte bis zu einer Einwohnerzahl von 50000 Einwohnern. Eine Slow City versucht Ortsstrukturen aus dem Mittelalter oder der Renaissance zu erhalten und gleichzeitig moderne wissenschaftliche Erkenntnisse der Ökologie und Nachhaltigkeitsforschung einzubeziehen. Sie setzt auf nachhaltige Umweltpolitik, Gastfreundschaft und regionale Märkte sowie regionaltypische Produkte.

Slow-City sieht sich als Gegenbewegung zum Trend der Globalisierung. Diese Gegenbewegung begann bereits in den neunziger Jahren mit der Slow Food Bewegung. Eine Vereinigung, die die Kultur des Essens und Trinkens pflegen und lebendig halten will.

Auch Marihn setzt auf Slow Food. Zur Bundesgartenschau 2009 in Schwerin ist ein Slow-Food-Schulgarten geplant. Hier sollen Kinder und Jugendliche eine Geschmacks- und Sinnesausbildung erhalten. Daneben sollen Natur- und Umwelterziehung Zusammenhänge erkennen lassen.

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